Förderverein Bildung Am Limes
Donaukurier vom 03.07.2015

Rolle des Lehrers als "Frontaldirigent" hat ausgedient


Denkendorf/Kipfenberg (EK) Der Verein „Bildung am Limes“ hatte zu einem Vortrag nach Denkedorf eingeladen. Bevor jedoch der Referent, der Vorsitzende der Initiative „Aktion Gute Schule“ in Wang, Thomas Becker, seinen Vortrag beginnen konnte, baten einige der Gäste um einen Bericht zum aktuellen Stand der Situation zur Gemeinschaftsschule in Denkendorf und Kipfenberg.

Vorsitzender Alfons Weber vom Verein „Bildung am Limes“ ging noch einmal auf das Widerspruchsgespräch beim Bayerischen Kultusministerium ein.

Die Zugeständnisse des Kultusministeriums für die Schulen in Denkendorf und Kipfenberg würden zurzeit auf Machbarkeit geprüft, das heißt, die gesamte Schulfamilie, Bürgermeister, Rektoren und Schulräte müssen dem zustimmen. Das heißt weiter, Teile des Marchtaler Plans, entsprechende Lehrerstunden und Teile aus dem Montessori-Konzept wären denkbar, sofern sich alle Beteiligten einig sind.

Es solle jedoch keinesfalls der Eindruck entstehen, die Konzeptumsetzung für die Gemeinschaftsschule würde zu den Akten gelegt. Die klare Ansage in der Jahresversammlung sei gewesen, dass der Auftrag Gemeinschaftsschule weiter verfolgt werden müsse, betonte Weber. „Wir wollen mit einem längeren gemeinsamen Lernen bis zur zehnten Klasse in unserer Heimatschule eine Pädagogik nach den neuesten Erkenntnissen der Lernforschung und zugleich den Schulabschluss der Realschulen anbieten können. Eben die Gemeinschafts- oder Heimatschule, wie auch immer man sie einmal bezeichnen mag.“

Thomas Becker zeigte einen etwa 30-minütigen Film über gute Schulen, der im Anschluss eine sehr rege Diskussion auslöste. Im Film wurde angeregt, sich von der 45 Minuten dauernden Schulstunde zu lösen. Allein das überzeugte etliche Mütter, die nach ihrem Verständnis oft die Rolle des Nachhilfelehrers zugeschoben bekommen.

Eine Szene zum Französischunterricht mit Jean-Pol Martin, der bis 2008 als Französischdidaktiker an der Katholischen Universität für ein Konzept Lernen durch Lehren (LdL) eintrat, zeigte, dass Schüler mehr Eigeninitiative beim Erlernen einer Sprache entwickeln, wenn diese Sprache fachübergreifend gelehrt wird oder sie bei Themen eingesetzt wird, die die Schüler besonders interessieren. Der Grundsatz des Pädagogen müsse heute sein, dass die Schüler merken, dass man an sie glaubt, auch wenn sie einmal renitent sind. Er fühle sich oft als Regisseur für seine Schüler und sehe diese eben als „Schauspieler“, für die das Üben das Wichtigste ist.

Gezeigt wurde ein Video mit dem Titel „Warum Schulen in Skandinavien gelingen“. Das skandinavische Konzept sei durchaus mit dem der Gemeinschaftsschule vergleichbar, hieß es. Wie Thomas Becker erläuterte, hätten sich skandinavische Lehrer schon lange von der Rolle als Frontaldirigent verabschiedet. Hier zähle der Grundsatz, dass Kinder für andere Kinder die ersten Pädagogen seien, der Lehrer bilde die zweite, der Raum mit seiner Ausstattung die dritte pädagogische Ebene.

In der Diskussion äußerten Gäste ihr Unverständnis, warum die Konzepte der Montessori- oder Waldorfschulen nicht für alle als Regelschulsystem gelten können. Warum sperre sich das Kultusministerium mit Händen und Füßen dagegen, einem Konzept der Gemeinschaftsschule die Zustimmung als Modelversuch zu erteilen, war zu hören.

Zum Thema Schulschließungen in Bayern verwies Becker auf den neuesten Stand: Für das Schuljahr 2015/2016 stehen bereits jetzt zwölf Mittelschulstandorte in Bayern vor dem Aus. In der näheren Umgebung ist die Schule Großmehring für das Schuljahr 2016/17 akut bedroht.

Eichstätter Kurier

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