Förderverein Bildung Am Limes
Kultusminister Spaenle liegt falsch

Zum Artikel „Die G8-Debatte ist überholt“ (24.1.)

In den letzten Absätzen des Interviews äußert sich Bildungsminister Ludwig Spaenle auch zu den Chancen der Gemeinden Denkendorf und Kipfenberg, ihre Schulstandorte mit dem Konzept der Gemeinschaftsschule zu retten. Unter anderem sagt er:
"Dafür müsste man dann wieder einige bestehende Schulen schließen.“ Richtig ist, dass die Gemeinschaftsschüler erst einmal nur Schüler aus dem Sprengel wären; viele davon sind zu früheren Zeiten an der eigenen Hauptschule geblieben. Im Vollausbau würde die Gemeinschaftsschule den umliegenden Schulen (also allen zusammen) maximal 33 Schüle pro Jahrgang wegnehmen.
Teilt man diese Zahl auf drei betroffene Schularten auf (Mittelschule, Realschule, Gymnasium), wären das elf Schüler pro Schule und Jahrgang.Spaenle soll uns die Schule nennen, die dann schließen müsste; ansonsten muss er sich sagen lassen, dass er unseren Antrag für den Modellversuch einer Gemeinschaftsschule noch nicht gelesen hat.
Seinem Urteil über Gesamtschulen („Leistungsstärkere wurden zu wenig gefordert,Leistungsschwächere zu wenig gefördert“) möchte ich andere Stimmen entgegenhalten: Professor Ludger Wößmann, immerhin Mitglied des Aktionsrats Bildung, den die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft installiert hat, sagt: „Ich unterstütze ein längeres gemeinsames Lernen, weil die international vergleichende Forschung uns zeigt, dass der Bildungserfolg dadurch ein Stück weit vom familiären Hintergrund entkoppelt wird – ohne dass das allgemeine Leistungsniveau darunter leiden würde!“
Ähnlich äußert sich Hans-Günther Rolff, ehemals Professor für Schulpädagogik an der Universität Dortmund, Wissenschaftlicher Leiter der Dortmunder Akademie für pädagogische Führungskräfte: „Die Gemeinschaftsschule kann jedes einzelne Kind fördern, ohne andere zu vernachlässigen. Das dreigliedrige Schulsystem verschwendet Talente, die Gemeinschaftsschule fördert sie.“ Klaus-Jürgen Tillmann, ehemals Professor für Schulpädagogik an der Universität Bielefeld,kommt zu folgender Einschätzung:„Darüber hinaus wird in Gesamtschulsystemen die Zahl der sogenannten Risikoschüler/ innen reduziert und das Durchschnittsniveau im Lesen erhöht. Eine Leistungsnivellierung durch gemeinsames Lernen bis zum Ende der Schulpflichtzeit ist nicht feststellbar.“Im Übrigen haben sich die Gemeinschaftsschulen trotz gegenteiliger Aussagen von Spaenle in vielen Bundesländern schon bewährt.
Bezüglich der Aussage „Allerdings hat Denkendorf eine Mittelschule,die wir bewusst nicht geschlossen haben, in der jetzt wieder Klassen starten können“ möchte ich darauf hinweisen, dass der Förderverein Bildung am Limes mit einer Eilpetition Widerspruch gegen die Verlagerung der Hauptschulklassen von Denkendorf nach Kipfenberg eingelegt hat. Ohne diese – demokratische – Vorgehensweise hätte niemand der Verantwortlichen aus Schulamt, Kultusministerium und Schulen noch eine Veranlassung gesehen, sich zusammenzusetzen und eine Lösung zu finden.
Der Mittelschulstandort Denkendorf wäre heute Geschichte.

Alfons Weber,
Denkendorf, Vorsitzender des Fördervereins Bildung am Limes

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