Förderverein Bildung Am Limes
Eichstätter Kurier vom 13.01.2014 19:30 Uhr

Schwieriges "Outing" für Lehrer


Denkendorf: Engagement für Gemeinschaftsschulen in Bayern: Denkendorf und Kipfenberg an der Spitze

Denkendorf/Kipfenberg (EK) Die Gemeinden Denkendorf und Kipfenberg sind mit ihrem Projekt Gemeinschaftsschule offenbar in ganz Bayern bereits am weitesten vorangekommen – auch wenn sich nun seit Monaten nichts mehr getan hat. Das wurde jetzt bei einem Treffen in Donaustauf deutlich.
In Bayern gibt es einige Gemeinden, die auf die Umsetzung einer Gemeinschaftsschule hoffen, um so die Kinder wohnortnah beschulen und auf diese Weise ihre Schulen am Ort halten zu können, so auch die Gemeinden Denkendorf und Kipfenberg, in denen der Verein „Bildung am Limes“ aktiv ist. Die beiden Vorsitzenden Alfons Weber und Robert Feuerlein berichteten nun bei einem Treffen verschiedener Gemeinden in Donaustauf von ihren Erfahrungen. Wie mehrfach berichtet ist der Antrag auf Genehmigung eines Modelversuchs für eine Gemeinschaftsschule in Denkendorf/Kipfenberg im August 2013 beim Kultusministerium eingereicht worden. Außer einer Eingangsbestätigung sei aber seitens des Ministeriums bis heute nichts zu hören gewesen.
Weber empfahl allen Kommunen, die sich um eine solche Schule bemühen, frühzeitig die Eltern mit ins Boot zu holen und diese umfassend zu informieren. Und er sagte, dass die Lehrerschaft dem Projekt meistens skeptisch gegenüberstehe – zumindest in der Öffentlichkeit: „Viele wollen sich nicht ,outen’, um Schwierigkeiten mit dem Schulamt zu vermeiden“, so Webers Einschätzung. Hier sei es hilfreich, wenn Eltern auch auf Lehrer mit diesem Thema zugingen. Für die Vertreter aus Denkendorf und Kipfenberg war es bei dem Treffen auch interessant, die Berichte aus anderen bayerischen Gemeinden zu hören: Donaustaufs Bürgermeister Jürgen Sommer bemüht sich demnach, in Donaustauf eine Gemeinschaftsschule umzusetzen. Ein Förderverein hat sich gegründet und ein pädagogisches Konzept erarbeitet. Nun stehen Kommune und Verein kurz vor einer Elternbefragung. Bei einem positiven Ausgang soll dann ebenfalls ein Antrag auf einen Modellversuch beim Kultusministerium gestellt werden.
In Arzberg im Landkreis Wunsiedel hat die Elternbefragung im Herbst 2013 stattgefunden, die Bitte um einen persönlichen Termin beim Kultusminister für die Übergabe des Antrages wurde abgelehnt, der Antrag könne per Post übersandt werden. Man plane nun, den Antrag noch im Januar einzureichen, so Stefan Klauber, dritter Bürgermeister in Arzberg. Auch hier sei es schwierig gewesen, die Pädagogen zu überzeugen. Viele wollten sich nicht öffentlich zum Projekt bekennen, nur „hinter vorgehaltener Hand“ hätten sich viele positiv geäußert. Aus Leutershausen (Landkreis Ansbach) berichtete Bürgermeister Siegfried Heß, dass hier alle hinter der Idee der Gemeinschaftsschule stünden: Schulleiter, Kollegium, Stadtrat. Nun stehe die Erarbeitung des pädagogischen Konzeptes an.
Auch in Kronwinkl, Eching, Ast und Vilsheim (Landkreis Landshut) wird an der Umsetzung einer Gemeinschaftsschule gearbeitet. Herbert Lohmeyer berichtete, dass hier gerade das Standortgutachten erarbeitet werde. Lehrerschaft und Schulleitung hielten sich sehr zurück, die Resonanz bei den Eltern sei aber bisher sehr groß. Martin Güll, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, betonte, dass es „mittelfristig keine Alternative für den ländlichen Bereich in Bayern“ gebe als die Gemeinschaftsschule. Schulversuche seien nach dem Gesetz möglich, „wenn der gute Wille da ist“. Die Teilnehmer des Treffens in Donaustauf setzen auf Vernetzung, um der Staatsregierung zu zeigen, dass hier keine Einzelkämpfer unterwegs seien, sondern dass die Gemeinschaftsschule breite Rückendeckung in Bayern habe. Deshalb soll es weitere solcher Treffen geben.


Viele Kommunen in Bayern interessieren sich für eine Gemeinschaftsschule. Die Vertreter dieser Gemeinden fanden in Donaustauf zum Meinungsaustausch zusammen. Von links nach rechts:
Jürgen Sommer (Donaustauf)
Alfons Weber (Denkendorf)
Martin Fichtner (Donaustauf)
Robert Feuerlein (Kipfenberg)
Jörg Reifschneider (Donaustauf)
Herbert Lohmeyer (Eching/Landsberg)
Sabine Ehm (Arzberg)
Claudia Forster (Denkendorf)
Stefan Klaubert (Arzberg)
Siegfried Heß (Leutershausen)
Ludwig Haas (Donaustauf)
Roland Grüttner (Dachau)
Eichstätter Kurier


Eichstätter Kurier vom 17.01.2014 19:37 Uhr

Keinerlei Druck


Zum Bericht: „Schwieriges ‚Outing‘ für Lehrer“ (EK vom 14. Januar 2014):

Der Einschätzung des Vorsitzenden des Vereins „Bildung am Limes“, dass Lehrkräfte sich deshalb nicht zum Thema Gemeinschaftsschule in der Öffentlichkeit „outen“ wollen, „um Schwierigkeiten mit dem Schulamt zu vermeiden“, wird seitens des Staatlichen Schulamts im Landkreis Eichstätt klar und deutlich widersprochen. Zu keinem Zeitpunkt wurde/wird weder auf Schulleitungen noch auf Lehrkräfte diesbezüglich „Druck“ ausgeübt. Dies bestätigen auch die Schulleiter der Grund- und Mittelschule Denkendorf und der Grund- und Mittelschule Kipfenberg Am Limes.

Konrad Zimmerer
Schulamtsdirektor, Fachlicher Leiter des Staatlichen Schulamts im Landkreis Eichstätt, Eichstätt


In eigener Sache

Anmerkung Förderverein Bildung am Limes


Ich denke, jeder weiß warum Herr Zimmerer dazu in der Form Stellung nimmt, ist es doch kein gutes Zeichen hinsichtlich der Führungsqualität seitens Kultusministerium und Schulamt, denn nicht die Redefreiheit der Verbeamteten Lehrer nimmt Herr Zimmerer in Schutz, sondern sein fehlendes Verständnis zur Demokratie. Wie viele Lehrer wurden schon gemaßregelt, wenn sie sich negativ über das Bayerische Schulsystem ausgesprochen haben. Ich verweise hier nur auf das Mobbing von Sabine Czernay (Lehrerin und Herausgeberin des Buche "Was wir unseren Kindern in der Schule antun". Mit mehr Demokratie in unserem Bayerischen Schulsystem wäre über die sechstufige Realschule erst garnicht nachgedacht worden, man hätte längst begriffen, dass es keinen Sinn macht unsere Kinder stundenlang im Landkreis Hin und Her zu fahren.
Stattdessen hält sich die Bayerische Staatsregierung mit ihrem Pfründe Denken selbst gefangen und will auf Kosten der Kinder Lehrer und Eltern die Letzte Bastion des dreigliedrigen Schulsystems verteidigen.

Alfons Weber
Vositzender vom Förderverein Bildung am Limes

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